Wie viele von euch sicher schon gemerkt haben, hat die Friedberger Landstraße, zumindest zwischen Friedberger Tor und Friedberger Platz, ein neues Gesicht bekommen: eine durchgängige, breite und farblich deutlich markierte Radspur. Die Linie ist durchgezogen ­ die Spur darf von Autofahrenden nicht benutzt werden, und in unserer Beobachtung, wird diese Beschränkung auch eingehalten! Für diese neuen Radwege in beide Richtung wurde jeweils eine ganze KFZ-Spur umgewidmet; die Friedberger Landstraße hat sich gesundgeschrumpft von vier auf zwei Autospuren.

Der ganz frisch markierte Radweg. Das Rot leuchtet!

Wie es aktuell aussieht

Damit besteht jetzt eine durchgehende Achse guter Radinfrastruktur vom Fischerplätzchen am Mainufer (an der Alten Brücke), über die Kurt-Schumacher-Straße, Konrad-Adenauer-Straße und jetzt die Friedberger Landstraße. Knapp 1,6 Kilometer breite und farblich markierte Radwege, so weit es momentan geht mit baulicher Trennung: ein großer Erfolg für den Radverkehr in Frankfurt, von dem alle Frankfurter:innen profitieren!

 Aktuell fahren die Busse noch mit auf der Fahrradspur. Diesen Kompromiss akzeptieren wir gerne; wir wollen nicht, dass die Busse im stockenden Verkehr oder im gelegentlichen Stau stecken bleiben. Langfristig werden die Haltestellen entlang der Friedberger Landstraße noch barrierefrei umgebaut. Im Rahmen dieser Umbauten werden die Busse dann in die Mitte der Fahrbahn verlegt (auf die Straßenbahnschienen) und müssen nicht mehr die Fahrradspur mitbenutzen. Sobald das geschehen ist, können die Radwege auch eine bauliche Trennung bekommen.

Eine Lücke zwischen Friedberger und Matthias-Beltz-Platz?

Doch leider wird durch die schönen neuen Wege die immer noch vorhandene Lücke zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz umso augenfälliger. Laut der Einigung zwischen Radentscheid Frankfurt sowie Magistrat & StVV Frankfurt sollte es hier eine Alternative über Nebenstraßen geben: „Zwischen Friedberger Platz und Egenolffstraße wird eine sichere Führung des Radverkehrs über die Rotlintstraße eingerichtet.“ Diesem Kompromiss stand der Radentscheid schon damals kritisch gegenüber, aber auf mehr wollte sich die Stadt leider nicht einlassen.

Die Egenolffstraße: eine Einbahnstraße, für Radfahrende freigegeben. Nicht attraktiv und nicht sicher.

Leider sieht es momentan danach aus, dass die Stadt für diese Lücke nichts unternehmen wird; weder im Bezug auf die Rotlintstraße und Egenolffstraße (was aus unserer Sicht auch nicht sinnvoll wäre) noch im Bezug auf die Einrichtung irgendeiner Radinfrastruktur auf der Friedberger Landstraße selbst.

Uns ist klar, dass auf diesem Abschnitt die Situation komplex ist. Auf dem unteren Abschnitt zwischen Friedberger Tor und Friedberger Platz verkehrt die Straßenbahn auf eigenen Spuren, unbehelligt vom KFZ-Verkehr; das ist hier nicht der Fall. Somit würde bei einem Wegfall einer KFZ-Spur potenziell der Straßenbahnverkehr behindert. Deshalb aber einfach die Infrastruktur enden zu lassen ist keine Alternative, zumal durch das abrupte Ende des Radweges eine neue Gefahrenstelle entsteht, wenn Autofahrende wieder auf die rechte Spur ziehen. Wir haben hier schon verschiedene kritische Situationen beobachtet; so kann es nicht bleiben.

Ende der Radspur auf der Friedberger Landstraße in Richtung Norden, am Friedberger Platz. Das Ende ist abrupt und ist gefährlich für Radfahrende.
So endet aktuell die Fahrtspur in Richtung Norden am Friedberger Platz

Die Engstelle ist durch den restlichen Umbau geschaffen; d.h. die fehlende Radinfrastruktur hier verringert auch nicht den eventuellen Stau; und die bis jetzt erfolgte Umsetzung beweist die grundsätzliche Machbarkeit, mit Haltestellen und Parkplätzen.

Was kann die Stadt hier unternehmen?

Als Minimum kann die Stadt wenigstens auf der rechten KFZ-Spur Piktogramme aufbringen, wie sie schon anderswo in Frankfurt zum Einsatz gekommen sind, gekoppelt mit Tempo 30 auf diesem Abschnitt.

Darüber hinaus gibt es aus unserer Sicht verschiedene Möglichkeiten, für diesen Abschnitt eine durchgehende Radinfrastruktur zu schaffen:

  1. Den neu geschaffenen Radfahrstreifen weiterführen und an den Radweg auf dem Bürgersteig am Matthias-Beltz-Platz anschließen. Um zu vermeiden, dass die Straßenbahn dadurch ausgebremst wird, kann die Ampelschaltung an beiden Enden (Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz) so gestaltet werden, dass die Straßenbahn jeweils die “Pulkführerschaft” übernimmt und vor den Autos grün bekommt; für solche Schaltungen gibt es gute Beispiele, und eine solche Schaltung ist auch bereits durch die Stadtverwaltung beauftragt, wird also noch dieses Jahr kommen. Der Radentscheid spricht sich explizit für diese Führung aus!
  2. Auf der Ostseite ist der Bürgersteig sehr breit, aber momentan durch quer parkende Autos fast vollständig blockiert. Wenn man diese Parkplätze entfernt, wäre auf dem Bürgersteig Platz für einen Radweg (ohne Benutzungspflicht); auch wenn dadurch Konflikte mit der Außengastronomie entstehen. In Fahrtrichtung Süden ist es wegen des Gefälles einfacher, etwas schneller zu fahren und so auch im KFZ-Verkehr mitzuschwimmen, aber aufgrund der Steigung in Richtung Norden ist das hier nicht möglich, hier ist also ein besonders großer Bedarf! Wir als Radentscheid sehen bei dieser Lösung grundlegende Probleme, insbesondere die Konflikte mit der Außengastronomie, aber prinzipiell wäre eine solche Führung auch möglich.

Wir fordern den Magistrat und die Koalition aus SPD,CDU und Grünen auf, diese Lücke im Radnetz zu schließen. Die bereits erfolgte Umgestaltung zeigt, dass die Umverteilung von Raum funktioniert und auch gut angenommen wird.